Awareness Konzept Sägewerk Festival 2024

Dieses Konzept richtet sich in erster Linie an die Menschen, die als Awareness-Team auf dem Festival im Einsatz sein werden. Darüber hinaus richtet sich dieser Text auch an all diejenigen, die während, vor oder nach dem Festival arbeiten, sowie an alle Besuchenden! Wir sind alle gemeinsam dafür verantwortlich, dass das Sägewerk Festival ein möglichst diskriminierungssensibler Ort für alle wird.

1. Quellen/Grundlagen

In unserem Konzept beziehen wir uns vor allem auf schon bestehende Leitfäden und Konzepte zur Awareness Arbeit. Ann Wiesental mit ihrem Handbuch „Antisexistische Awareness“ und der Leitfaden sowie das Handbuch zu Awareness von „Save the Dance“ sind in unserer Konzeptionierung die zentralen Quellen gewesen.

2. Trigger Warnung

Das folgende Dokument handelt vom Umgang und der Prävention von Diskriminierung und Gewalt. Auch wenn wir nicht konkrete Vorfälle beschreiben werden, können Erinnerungen und Gefühle an Erlebnisse getriggert werden. Falls du beim Lesen merkst, dass es dir nicht gut geht, mach eine Pause und nimm dir die Zeit, bevor du weiterliest. Sollte dir in unserem Konzept etwas auffallen, was dich stört oder du als nicht richtig empfindest, melde dich gern (auch anonym) bei uns, wir sind immer offen für Feedback und Kritik. Genaueres zu unseren Kontaktmöglichkeiten findest du am Ende dieses Dokuments.

3. Was ist Awareness?

To be aware heißt erstmal aufmerksam sein bzw. Bewusstsein haben und für Probleme sensibel sein. Awareness ist dabei ein Konzept, das sich mit respektvollem Verhalten miteinander beschäftigt. Es geht darum, sich gegenseitig zu unterstützen und einen Raum zu schaffen, in dem sich alle wohlfühlen können und keinerlei Übergriffe oder diskriminierendes Verhalten geduldet werden. Dabei werden Grenzüberschreitungen individuell von den Betroffenen definiert: Welche Vorfälle dazu führen, dass sich Menschen angegriffen, missachtet, diskriminiert, verletzt, herabgewürdigt oder überfordert fühlen, wird nicht in Frage gestellt. Was für die eine Person eine unbedenkliche Kleinigkeit darstellt, kann bei einer anderen Person dazu führen, dass sie die Freude am Feiern oder der Veranstaltung vergeht oder sie sich dort erst gar nicht wohlfühlen kann.

Grundsätze von Awareness, nach denen wir agieren:

  • Konsens bzw. Zustimmung: Individuelle Grenzen werden respektiert: Nein heißt immer nein! Und noch wichtiger: Nur ja heißt ja!
  • Definitionsmacht: Wo ein Übergriff beginnt, bestimmt immer die betroffene Person und sie hat das Recht zu entscheiden, wie es nach dem Vorfall weitergeht.
  • Parteilichkeit: Die Wahrnehmung der betroffenen Person wird nicht in Frage gestellt.
  • Solidarität steht an erster Stelle.

4. Leitfaden Sägewerk 2024

Aufgaben des Awareness-Teams

Unsere Aufgabe als Awareness-Team ist es im Fall von Diskriminierung oder Gewalt, für Betroffene ansprechbar zu sein und ein Auffangnetz zu bieten. Betroffene Personen können allein oder mit Freundmit ihren Anliegen auf uns zukommen oder wir werden selbst oder durch Andere auf Situationen aufmerksam, in denen uns Personen unsicher erscheinen. Im Kontakt mit den Betroffenen ist es unsere Aufgabe, auf die Bedürfnisse und Wünsche der betroffenen Person einzugehen. Das kann, von der Konfrontation einer gewaltausübenden (verbal oder physisch) Person bis hin zu einem ruhigen Gespräch bei einer Tasse Tee alles bedeuten. Wichtig dabei ist - gerade in Konfrontationen - handelt nicht allein! Ihr seid die Schnittstelle zwischen Sanitäter, Security und der Unterstützung durch Freund. Dabei ist es wichtig, auf euer Gefühl zu hören und euch immer Unterstützung zu holen, wenn ihr sie braucht. Es gibt Situationen, die das Wissen von medizinisch ausgebildeten Personen benötigen und es ist auch nie Sinn der Sache euch selbst in Gefahr zu bringen. Um euch selbst zu schützen, agiert Betroffenen bezogen. Das bedeutet: geht auf die Menschen zu, wenn ihr das Gefühl habt, da stimmt etwas nicht. Ihr müsst potenziell gewaltausübende Personen nicht proaktiv konfrontieren, wenn ihr euch damit nicht wohlfühlt. In einem späteren Abschnitt folgt eine explizite Handlungsempfehlung für den Erstkontakt mit Betroffenen und die Handlungsabfolge im Ernstfall.

Das Awareness-Team

Das Team „Awareness“ besteht das ganze Festival lang aus ca. … Menschen. Von diesen … Menschen sind immer vier bis acht in 4-Stunden-Schichten aktiv im Einsatz. Die Aufgabe des Awareness-Teams ist es, sichtbar und ansprechbar zu sein. Ihr werdet pinke Westen und für die dunklen Stunden Lichterketten bekommen, damit ihr gut als Awareness-Team erkennbar seid. Wir bitten euch immer mindestens in Zweierteams unterwegs zu sein, ob mobil auf dem Gelände oder im Awareness-Zelt, so können wir rund um die Uhr gut für Betroffene erreichbar sein. Dabei sollten sich immer mindestens Zwei beim Awareness-Zelt aufhalten. Zwischen Stellung halten im Awareness-Zelt und mobil unterwegs sein auf dem Gelände, kann natürlich rotiert und sich abgewechselt werden. Eine Absprache untereinander zu Beginn der Schichten kann dabei hilfreich sein. Allgemein müssen keine Entscheidungen von Einzelpersonen getragen werden. Auch das Awareness-Team kann sich durch Situationen getriggert fühlen. An diesem Punkt ist wichtig zu betonen, dass wir ein Team sind und als dieses auftreten, zusammenarbeiten und einstehen wollen.

Kommunikation

Während des Festivals werdet ihr mit insgesamt 4 Walkie-Talkies ausgestattet sein; also immer 1 pro Zweierteam erhalten. Sie ermöglichen es nicht nur untereinander zu kommunizieren, sondern auch im Ernstfall schnell Kontakt zu Securitys oder den Sanitäteraufzunehmen. In erster Linie ist die Absprache untereinander im Awareness-Team, die zusammen Schicht haben, immer der erste Schritt. Achtet aufeinander und erkundigt euch nach euren Kolleg. Es wird im Awareness-Zelt ein Notizbuch geben, in das ihr Vorfälle, die während eurer Schicht passieren eintragt, damit nachfolgende Schichten einen Überblick über bereits entstandene Vorfälle bekommen können und damit wir als Awareness Team im Nachgang des Festivals reflektieren können, was passiert ist und wie wir eventuell weiter damit vorgehen. Eine Absprache untereinander zu Beginn der Schichten ist daher unbedingt nötig. Wichtig: Ihr seid als Awareness-Team handlungsbefugt! Das bedeutet, dass wir als gesamtes Khisdapaze Team hinter euch stehen, wenn ihr Entscheidungen trefft. Es ist wichtig, dass ihr als Team in Awareness Fällen selbständig Entscheidungen trefft. Ihr seid dem Security-Team weisungsbefugt, das bedeutet, dass sie euren Anweisungen Folge leisten müssen, wenn es bezüglich eines Vorfalls Meinungsverschiedenheiten gibt. Wenn ihr als Awareness-Team eine Entscheidung treffen müsst, bei der ihr euch nicht sicher seid, sprecht euch untereinander ab. Es gibt selbstverständlich auch Fälle, die die Grenzen der Awareness-Arbeit überschreiten. So könnt ihr beispielsweise Personen vom Gelände verweisen, jedoch ist es Aufgabe der Securitys, den Platzverweis durchzusetzen. Auch gibt es selbstverständlich Fälle, bei denen es professioneller medizinischer Hilfe bedarf; dann holt ihr immer die Sanitäterhinzu. Da ihr als Team nicht immer diejenigen sein werdet, die als erste von einem Fall mitbekommen, kann es auch gut sein, dass euch Security, Sanitäter, andere Mitarbeitende oder Festivalbesuchereinen Fall übergeben. Allgemein gilt: seid entschlossen als Awareness-Team Entscheidungen zu treffen und euch gemeinsam zu beraten. Gemeinsam werden wir hinter eurem Handeln und euren Entscheidungen stehen. Holt euch die nötigen Expertisen dazu, wenn sie benötigt werden.

Sichtbarkeit/Erreichbarkeit

Zwei elementare Aspekte der Awareness-Arbeit sind die Sichtbarkeit und Erreichbarkeit. Es ist wichtig, dass wir als Awareness-Team auffallen und als die, die wir sind, erkennbar sind. Dafür wird es pinke Westen geben, die während der Schichten getragen werden sollen. Für die dunklen Stunden wird es Lichterketten geben, die sich für mehr Sichtbarkeit umgehängt werden können. Die mobilen Awareness-Kleinteams, die auf dem Gelände unterwegs sind, sollten sich die meiste Zeit ihrer Schicht an Orten aufhalten, an denen man sie finden und ansprechen kann. Die Awareness-Kleinteams, die sich im Awareness-Zelt aufhalten, sollten sicherstellen, dass dort immer Personen auffindbar sind.

Beratungsraum/Ruheraum

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Awareness-Arbeit ist die Möglichkeit des Rückzugs für Betroffene. Dafür gibt es zwei Rückzugsräume: unser Awareness-Zelt und ein Ruhezelt in der Nähe. Im Awareness-Zelt gibt es Möglichkeiten sich gemütlich hinzulegen, einen Tee zu trinken, Obst oder andere Snacks zu schnabulieren und in Ruhe über Vorfälle zu reden, zu beraten oder einfach runterzufahren. Das Awareness-Zelt ist auf der Festival-Map gekennzeichnet und dient als direkte Anlaufstelle für Betroffene. Als Awareness-Team ist es auch eure Aufgabe dafür zu sorgen, dass dieser Ort nicht zweckentfremdet wird und den Menschen vorbehalten ist, die ihn brauchen. Hier wird es auch Ohropax, Hygieneartikel, Verhütungsmittel, Snacks und Infomaterial geben, welches an die Festivalbesucheraushändigt werden kann. Auch die Schichtpläne und weiteres Infomaterial für euch wird sich hier befinden. Das Ruhezelt wird sich ganz in der Nähe des Awareness-Zelts befinden und dient als Rückzugsort ohne die Betreuung durch das Awareness-Team. Es soll Festivalbesucherdie Möglichkeit geben, sich in einem reizärmeren Raum zurückziehen zu können. Hier wird auch der Konsum von Drogen verboten sein. Als Awareness-Team könnt ihr in regelmäßigen Abständen checken, ob das Ruhezelt auch für das genutzt wird, wofür es vorgesehen ist und bei Bedarf auch Menschen bitten, dieses zu verlassen.

Awareness ist nicht Psy Care (Psychedelische Betreuung)

Es ist kein Geheimnis, dass in Zusammenhang mit Festivals oder Clubveranstaltungen immer wieder Menschen den (Misch-) Konsum verschiedener Substanzen falsch einschätzen und damit nicht nur zu einer Belastung für andere werden können, sondern natürlich auch ihr eigenes Wohlergehen aufs Spiel setzen. Insbesondere, wenn psychedelische wirkende Substanzen im Spiel sind, wenn also die Wahrnehmung der Realität verändert ist, wird die Gesundheit der Person gefährdet. An dieser Stelle ist es in den meisten Fällen nicht eure Aufgabe, damit umzugehen. Hier sollten betroffene Menschen an die Sanitäterübergeben werden. Sollten Personen aufgrund des Konsums von Rauschmitteln eine emotionale Verstimmung erleben oder sich nach einem zu starken Trip erholen wollen, können wir als Awareness natürlich unterstützen. Allgemein gilt: lastet euch nichts auf, was ihr nicht handeln könnt. Als Awareness-Team ist es wichtig während eurer Schichten einen klaren Bewusstseinszustand zu behalten. Wir erwarten daher, dass ihr vor und während euren Schichten nüchtern bleibt.

Handlungsmacht

In Absprache mit der Festivalleitung haben wir als Awareness-Team volle Rückendeckung für unsere Entscheidungen im Rahmen der betroffenenbezogenen Arbeit. Wir wollen, dass ihr euch in eurer Position als Awareness-Team selbstsicher fühlen könnt, daher teilt uns gern jederzeit mit, wenn ihr Anliegen haben solltet. In unserem „Code of Conduct” findet ihr den vom Sägewerk-Team beschlossenen Verhaltsenskodex für das Festival, der beschreibt, welche gemeinsame Haltung wir auf dem Festival und generell zusammen vertreten. Uns steht als Awareness-Team die Entscheidungsmacht zu, Verwarnungen und Platzverweise auszusprechen. Sollten sich Personen eurer Meinung nach grenzüberschreitend verhalten, könnt ihr eine erste Verwarnung aussprechen. Fällt diese Person dann ein zweites Mal durch grenzüberschreitendes Verhalten, z. B. Diskriminierung und (sexistische) Gewalt auf, können wir nach gemeinsamer Absprache einen Platzverweis verteilen. Ausgeschlossen von diesem Verwarnsystem sind Vorfälle, die die „Rote Linie“ überschreiten, hier ist ein direkter Platzverweis und Ausschluss aus der Veranstaltung möglich. Die Definition unserer „Roten Linie“ findet ihr im „Code of Conduct“. Die Schritte eines Platzverweises einzuleiten, liegen im Zuständigkeitsbereich der Festivalleitung und der Security und sind somit nicht eure Aufgabe.

5. Handlungsempfehlungen

Erstkontakt mit Betroffenen

Zu Beginn des Gesprächs stellst du dich / euch ganz kurz vor. Aber nicht zu lang, denn die betreffende Person soll nicht die Aufmerksamkeit aufbringen müssen, um euch zuzuhören, da sie eventuell auch nicht in der Lage dazu ist. Nach dem Beginn kann der betroffenen Person Raum gegeben werden, zu erzählen, was ihr Anliegen ist, wichtig sind dabei Ruhe und Zeit. Die erste Frage dabei sollte nicht „Was ist passiert?“ sein, sondern „Wie kann ich dir helfen?“, um die betroffene Person nicht in die Rechtfertigung zu drängen. Wichtig: Die betroffene Person muss ihre Geschichte nur ein einziges Mal erzählen müssen. Das bedeutet: hört direkt sehr gut zu. Danach dient ihr als Awareness als Sprachrohr. Außer die betroffene Person möchte für sich selbst sprechen. Es bietet sich in vielen Fällen an, sich in das Awareness-Zelt zurückzuziehen. Am besten schlagt ihr der betroffenen Person 2-3 Möglichkeiten vor, was ihr gemeinsam tun könnt. Denn eine zu offene Frage danach, was die betroffene Person in der Situation braucht, kann zu Überforderung führen. Wichtig ist auch klarzumachen, dass es in der Unterstützungsarbeit um eine erste Unterstützung und Beratung geht und nicht um ein therapeutisches Gespräch. Es geht in der Unterstützungsarbeit darum, die betroffene Person zu schützen oder Schutz zu rufen. Es geht darum, die betroffene Person konkret in dieser Situation zu stärken, zu empören oder dabei zu unterstützen, zum Beispiel wieder handlungsfähig zu werden oder die eigene Wahrnehmung zu stärken. Die betroffene Person soll dabei unterstützt werden herauszufinden, was sie jetzt braucht. Hat die betroffene Person herausgefunden, was sie braucht, ist es unsere Aufgabe zu schauen, wie dies realisierbar ist. All diese Entscheidungsprozesse muss niemand allein mit der betroffenen Person führen, beratet euch im Awareness-Team oder holt euch die Securitys/Sanitäterdazu!

Hilfreich kann es auch sein, im Gespräch mit der betroffenen Person folgende Dinge zu erläutern:

  • „Wir sind parteilich mit dir und werden nichts unternehmen, was du nicht willst.“
  • „Nur du entscheidest, was du brauchst.“
  • „Das Gespräch ist anonym und vertraulich.“
  • „Wir werden nur in unserer Unterstützungsgruppe darüber sprechen und deinen Namen nicht nennen.“

Im Awareness-Zelt werden darüber hinaus Informationen zu Anlaufstellen für Hilfe bereitliegen, die ihr der betroffenen Person für die Zeit nach dem Festival mitgeben könnt. Wichtig: Vorfälle brauchen die Zeit, die sie brauchen. Nehmt euch also die Zeit, auch wenn das bedeutet, dass ihr eure Schicht etwas überzieht. Übergebt Fälle bitte erst, wenn ihr euch sicher seid, dass es für die betroffene Person in Ordnung ist.

6. Zivilcourage: 7Ds of Bystander Intervention (Save the Dance)

Wenn du Zeugeiner Situation wirst, die für dich nach Belästigung oder Diskriminierung aussieht, ermutigen wir dich aktiv zu werden. Wenn du dir nicht sicher bist, wie du intervenieren solltest, findest du hier fünf Empfehlungen: Was immer du tust, achte auf deine eigene Sicherheit.

  1. Diagnose: Achte auf den Raum und die Menschen um dich herum. Lerne Körpersprache lesen, und erkenne verschiedene Formen von Belästigung und Grenzverletzung. Nur wer Probleme sehen kann, kann Lösungen finden und Menschen unterstützen.
  2. Direkt: Sei klar und deutlich! Sprich entweder die gewaltausübende Person direkt an und sage ihr unvermittelt, dass es sich hier um Belästigung handelt und sie damit aufhören soll. Oder sprich die betroffene Person an und frage, wie es ihr geht. Biete der Person deine Unterstützung an oder schlage vor, die Situation gemeinsam zu verlassen.
  3. Davon ablenken: Versuche, die Situation indirekt zu deeskalieren, indem du für eine Ablenkung sorgst: Beginne ein Gespräch mit der gewaltausübenden Person. Frage nach der Uhrzeit, nach dem Weg oder werde kreativ: Fange an laut zu singen oder zu tanzen. Lenke die Aufmerksamkeit von der Person ab, die Unterstützung braucht.
  4. Delegiere: Bitte eine andere Person zu helfen. Dies kann einFreund, einBarkeeperoder eine andere Person sein, die du siehst. Weise auf den Vorfall hin und bitte sie um Unterstützung. Wenn du jemanden einbeziehen möchtest, der weiter weg ist, sprich diese Person gezielt an: "Kannst du im roten Pullover bitte helfen?"
  5. Danach: Wir können nicht immer direkt eingreifen, aber es ist immer möglich, jemanden nach einem Vorfall zu unterstützen. Sprich die betroffene Person an und frage, ob es ihr gut geht oder ob du etwas für sie tun kannst (z. B. eine befreundete Person anrufen).
  6. Dokumentiere: Wenn du dich nicht sicher fühlst oder du dich nicht traust zu helfen, kannst du die Situation dokumentieren (Notizen, Bild, Video), um der betroffenen Person die Möglichkeit zu geben, dieses Material später zu verwenden, z. B. für eine Anzeige bei der Polizei. Veröffentliche nie Video/Fotos von einem Übergriff ohne die Zustimmung der Betroffenen. Teile der betroffenen Person mit, dass du für eine Zeugenaussage zur Verfügung stehst. Und schließlich: Wenn die Person keine Hilfe will, respektiere diese Entscheidung. Wenn du das Gefühl hast, dass das Leben der Person in unmittelbarer Gefahr ist, alarmiere die Polizei. Denke jedoch daran, dass die Polizei nicht für jede Person eine gute Wahl ist.
  7. Diskutiere: Es ist wichtig andere für Diskriminierung und Privilegien zu sensibilisieren, je offener wir über Probleme und Vorfälle sprechen, desto klarer werden die Grenzen unseres Safer Spaces. Frage deine Freund, Veranstaltende, Festivals und Künstler, was sie tun, um marginalisierte Gruppen zu schützen.

7. Awareness in Sprache

  • BIPoC: BIPoC steht für Black People, Indigenous People and People of Colour. Auf Deutsch: Schwarz, Indigen – der Begriff People of Color wird nicht übersetzt. All diese Begriffe sind politische Selbstbezeichnungen.
  • CIS: CIS(-Gender) bezeichnet Menschen, deren Geschlechtsidentität mit ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. CIS(-Gender) (auch: cis geschlechtlich) zu sein, entspricht in einer heteronormativen Gesellschaft der Norm.
  • Trans*: Trans* bezeichnet Menschen, die sich nicht oder nur teilweise mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, identifizieren. Manche nicht-binäre Menschen bezeichnen sich ebenfalls als Trans*.
  • Nicht binär: Nicht binäre (englisch nonbinary, phonetisch enby) Personen verorten sich als weder ausschließlich Mann oder Frau, jenseits von beiden oder irgendwo dazwischen. Es bezeichnet Personen, die sich in das binäre Geschlechtssystem (‚Frau‘ oder ‚Mann‘) nicht einordnen lassen (wollen). Einige nicht-binäre Menschen identifizieren sich als trans*.
  • Kulturelle Aneignung: Entwendung kultureller Elemente für den eigenen Gebrauch, zur Vermarktung oder aus Profitgründen; einschließlich Symbole, Reliquien, Kunst, Sprache, Bräuche usw. oft ohne Verständnis, Anerkennung oder Achtung ihres Wertes in der ursprünglichen Kultur.
  • FINTA+: FINTA+ steht für Frauen, inter, nicht binäre, trans und a-gender Personen, sowie alle, die sich nicht als CIS männlich verorten.
  • Gender: Der Begriff „Gender“ wird sowohl im Deutschen und Englischen genutzt, wenn es um das soziale Geschlecht und die Geschlechtsidentität geht. In Abgrenzung dazu gibt es das bei der Geburt aufgrund körperlicher Merkmale zugewiesene Geschlecht (engl. sex).
  • Inter*: Inter* sind Personen, deren Geschlecht nicht eindeutig bei der Geburt zugeordnet werden konnte, z.B. aufgrund von Hormonen oder anatomischen Merkmalen. Auch inter* Menschen können cis oder trans* sein.
  • LGBTIQ+: Ist eine Abkürzung für die Begriffe Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersexual, Asexual und stellt einen Sammelbegriff für Beschreibungen sexueller Ausrichtungen und Geschlechtsidentitäten dar. Das Pluszeichen steht für weitere Ausrichtungen und/oder Orientierungen, die nicht explizit genannt werden.
  • Marginalisierung: Bezieht sich auf die Verdrängung von Einzelpersonen oder Bevölkerungsgruppen an den Rand der Gesellschaft, was zu einem geringeren Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe, Macht und Ressourcen führt.
  • Intersektionalität: Dahinter steht die Idee, dass eine Person von mehreren Diskriminierungsformen oder mehreren Formen sozialer Ungleichheit betroffen sein kann.
  • Safer Spaces: Safer Space geht davon aus, dass es keine gänzlich sicheren Räume gibt. In Safe(r) Spaces können sich die Teilnehmenden akzeptiert und ernstgenommen fühlen.

Dieses Konzept wurde vom Awareness-Team von Khisdapaze erstellt, für Fragen, Anliegen und Feedback, meldet euch gern bei uns!

Solidarische Grüße

Lyn (sie/ihr) & Zoe (sie/ihr)

awareness@khisdapaze.de

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